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Chronik über Niederrossau von A. Genge

     


Es handelt sich hierbei um eine Aufzeichnung des ehemaligen Bürgermeisters von Niederrossau, August Genge. Wahrscheinlich hat er sie aus der Errinerung heraus mit Hilfe von alten Gemeindeunterlagen aufgeschrieben. Ich habe sie soweit wie möglich wörtlich übernommen. Nur wenn die Sätze zu verschachtelt waren, so das der Sinn verloren ging, habe ich etwas eingegriffen. Die Chronik stammt aus dem Archiv Hans-Jörg Stockmann's.



Gemeindechronik für Niederrossau

ab 1882

aufgezeichnet vom ehem. Gemeindevorstand

Herrn August Genge

1882

1883 1884 1885

Als ein besonderes Ereignis für die Gemeinde Niederrossau, muss das unerwartete, am 19.April erfolgte, Ableben des Gemeinde - Vorstandes und Gutsbesitzers, Herrn Karl Friedrich Pönitz, zu betrachten sein.

Am Begräbnistage desselben, dem nächstfolgenden Sonntage, versammelten sich die Mitglieder des Gemeinderates bei Herrn Gutsbesitzer Friedrich Ulbricht, um im geschlossenen Zuge nach dem Trauerhause zu gehen. Und da selbst dem verblichenen Kollegen bewegten Herzens mit einem letzten Händedruck für Alles was er für die Gemeinde getan hat und was er für sie gewesen, zu danken. Den Trauernden aber zum Andenken an diesen Tag und zur Ehre des Toten eine gut gearbeitete, schöne Votivtafel zu überreichen.

Dem Sarge folgten außer dem Gemeinderat auch der landwirtschaftliche Verein, dessen Mitglied der Entschlafene gewesen, wie auch die Kollegen desselben aus der näheren Umgebung und eine große Zahl ihm sonst befreundeter Personen, so das der Leichenzug ein imposanter zu nennen war.

Noch am Todestage Pönitz's wurden die laufenden Geschäfte von Herrn Gemeindeältesten Polster zur Erledigung übernommen, und am 1.Mai unter Leitung desselben die Neuwahl eines Gemeindevorstandes veranstaltet. Vor der Wahl setzte der Gemeinderat die Stelle des Gemeinderates von 270 Mk auf 235 Mk herab. Gewählt wurde der Unterzeichnende (Genge) mit 9 Stimmen von insgesamt 12. In hochherziger Weise hat Herr Gemeindeältester Polster auf sein Gehalt während der Amtierung als Vertreter des Gemeindevorstandes zu Gunsten der Gemeindekasse verzichtet. Im Beisein der Herrn Schubert und Friedrich Ulbricht wurde das Archiv und Inventar der Gemeinde am 2.Mai vom Unterzeichnenden übernommen. Herr Schubert war als Gemeindeältester und Herr Stockmann als Mitglied des Schulvorstandes gewählt.

In Schulsachen beschloss der Schulvorstand auf Veranlassung und mit Genehmigung der Kgl. Schulinspektion, dass der Unterricht für Fortbildungsschüler ein wöchentlich 3-stündiger wird und in den Monaten Oktober bis Mai Mittwochs Nachmittag von 1 bis 4 Uhr abzuhalten sei.

An Stelle des nach Zettlitz versetzten Herrn Hilfslehrer Emil Schuhknecht ist Herr Hilfslehrer Edmund Polster zu uns gekommen. Das Erwähnenswerteste in Armensachen ist wohl, das sich die Unterbringung der Frau Jobst, nachdem Ihr Mann zu einer 2-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden war, in die Bezirksanstalt Mittweida, und da sich nach längerer Zeit herausstellte, das sie geisteskrank war, in die Heilanstalt Sonnenstein notwendig machte. Für den kranken Handarbeiter Kunze hatte die Gemeinde die Kur- und Begräbniskosten zu bestreiten. Doch fand sich, dass als nach dem Tode desselben, der Nachlass von den Erben der Gemeinde zugewiesen ward, derselben noch ein Überschuss von ca. 13 Mk blieb, wovon dem Kunze ein Denkmal beschafft werden soll.

Die Mitglieder der Einschätzungskommission waren in diesem Jahr die Herren Kommissar Ingenieur Windisch, Gutsbesitzer Biehl aus Seifersbach und Gutsbesitzer Genge von hier. Ein Gegenstand von Wichtigkeit war ferner der Beschluss des Gemeinderates, ein neues Ortsstatut aufzustellen.

Die Registwerte für den Gemeindevorstand weist vom 1.Mai dieses Jahres ab
288 Eingänge, worunter 137 Eingänge von Behörden, sowie 629 Abgänge, darunter 118 Abgänge an Behörden, nach.

Hierunter finden sich verzeichnet:

43 Wohnungsanmeldungen
59 Wohnungsabmeldungen
2 Gewerbeanmeldungen
12 Gesindebücher auszustellen
1 Bauanmeldung
3 Bauvollendungsanzeigen
10 Aushängungen von Aufgeboten
15 Polizeiabstempelungen
4 Erlaubniserteilungen zu Sonntagsarbeit
3 Ausstellungen für Arbeitsbücher
1 Zahlungsauflage (Hebamme Krause)
6 Strafverfügungen
und zwar je eine wegen unerlaubten Schießens (Jobst)
wegen Fehlen des Schildes und Geläutes am Geschirr (Seidler)
wegen Sonntagsentheiligung (Seidler)
wegen Aufbewahren der Asche an feuergefährlichen Orten (Eichhorn)
wegen Aufstellen einer Strohfeime auf dem Hof (Preußner)

Außer den genannten sind aus Niederrossau noch bestraft worden:

1. wegen schweren Diebstahls (Rückfall) vom Landgericht Chemnitz (Jobst)
2. wegen Forstdiebstahls vom Amtsgericht Mittweida (Eidam)
3. wegen Diebstahl vom Amtsgericht Mittweida (Hans).

In der am 5.Juni aufgestellten Berufsstatistik
ergab sich, das die Gemeinde Niederrossau 695 Einwohner in 170 Haushaltungen zählte, was einer Verminderung seit der Volkszählung am 1.Dezember 1880 von 4 Haushaltungen und 15 Einwohnern gleichkommt, da man damals 710 Einwohner in 174 Haushaltungen zählte. Am 29.August erhielt die Gemeinde Niederrossau Einquartierung in der Stärke von 8 Offizieren und 137 Mannschaften (incl. der zum Stab gehörenden Stabsoffiziere - 5. Inf.Reg. 2 Battl. Chemnitz).

In der am 2. Dezember vorgenommen Ergänzungswahl des Gemeinderates, kamen aus der Kasse der Ansässigen von 98 Stimmberechtigten 16, aus der Kasse der Unansässigen von 59 Stimmberechtigten 5 zur Wahlurne. Gewählt wurde Gutsbesitzer und Gärtner Robert Thiemer mit 12, Herr Gutsbesitzer Ernst Dietze mit 5 Stimmen und Herr Häusler Johann Friedrich Kühn mit 6 Stimmen. Es sind demnach Herr Gotthelf Ulbricht und Herr Friedrich Köhler, ersterer nach 15-jähriger Dienstzeit, aus dem Gemeinderat ausgeschieden.

Für die durch einen Wolkenbruch verursachte Überschwemmung in Gelenau und Umgebung, wodurch so viele Bewohner der dortigen Gegend so hart geschädigt wurden, wurde eine Sammlung in unserer Gemeinde veranstaltet, die einen Ertrag von 92 Mk zu verzeichnen hatte.

Anlässlich der bevorstehenden silbernen Hochzeit des deutschen Kronprinzenpaares ward im deutschen Reich eine Sammlung veranstaltet, zu dem Zwecke, um an diesem Tage dem Kronprinzen eine Summe zu überreichen, die derselbe zu einem gemeinnützigen ganz Deutschland zu gute kommenden Zweck bestimmen wolle.

In unserer Gemeinde war das Ergebnis der Sammlung 371 Mk.

Es wurden vom 1. Mai an 6 Gemeinderatssitzungen und 7 Armenvereinssitzungen abgehalten.

Die Erntetabellen ergeben folgendes:
In Niederrossau wurde bebaut:

9 ha mit Weizen
130 ha mit Roggen
3 ha mit Gerste
140 ha mit Hafer
1 ha mit Erbsen
5 ha mit Gemänge
70 ha mit Kartoffeln
20 ha mit Runkelrüben
22 ha mit Kraut
1 ha mit Flachs
16 ha mit Klee
5 ha mit Gras
49 ha mit Wiesen durch Nässe der Futterwert verringert
10 Ztr. Äpfel a. 9 Mk = 90 Mk
20 Ztr. Birnen a. 7 Mk = 140 Mk
35 Ztr. Pflaumen a. 4 Mk = 140 Mk durch Nässe aufgesprungen.

1882

1883

1884 1885

Am 10. Januar ward eine Viehzählung vorgenommen, wobei in der Gemeinde Niederrossau

62 Pferde
35 Hunde
434 Rinder
176 Schweine
80 Ziegen
24 Bienenstöcke vorgefunden wurden.

Die für die durch die Überschwemmungen des Rheins u. seiner Nebenflüsse so hart Geschädigten veranstaltete Sammlung von freiwilligen Beiträgen ergab die Summe von 50 Mk.

Die Einschätzungskommission bestand aus den Herren Starke - Frankenau ( als Vorsitzenden ) Bäßler - Oberrossau, Schubert u. Genge - Niederrossau.
Eingeschätzt wurde nach 45 Mk Pachtwert und 10 -15 Mk Betriebskapitalwert pro Aeker
80 -100 Mk Wohnungswert für Begüterte, der Selbstverdienst hingegen ward etwas niedriger in Ansatz gebracht.
Im Allgemeinen war die Einschätzung nach tieferen Sätzen wie im Vorjahr, so das mehrere in eine niedrigere Klasse dadurch versetzt wurden.

Im Laufe des Hochsommers wurde von den Herren Frenzel, Schmidt, Genge, Berndt, Dietze u. Ulbricht eine Bodenerhebungsaufnahme vorgenommen, welche in Niederrossau ergab:

10 ha 20 ar mit Weizen
116 ha 87 ar mit Roggen
7 ha 74 ar mit Gerste
138 ha 51 ar mit Hafer
1 ha 10 ar mit Sommerweizen
3 ha 32 ar mit Sommerroggen
1 ha 51 ar mit Erbsen
1 ha 50 ar mit Wicken
6 ha 69 ar mit Gemänge
47 ha 46 ar mit Kartoffeln
53 ha 67 ar mit Klee
5 ha 34 ar mit Brache
17 ha 15 ar mit Kraut
17 ha 70 ar mit Rüben
78 ar mit Samenklee
2 ha 21 ar mit Lein

Nach Schätzung sind noch

446 ha 65 ar Ackerland
6 ha 22 ar Gebäude u. Hofraum
36 ha 68 ar Gärten
67 ha 59 ar Wiesen
23 ha 7 ar Busch
2 ha 76 ar Hochwald
0 ha 94 ar Teiche
13 ha 63 ar Wege u. Bäche
0 ha 20 ar Steinbrüche

ges.: 597 ha 74 ar vorhanden.

Wie allerwärts im engeren und weiteren Vaterlande ist auch in unserer Gemeinde der
400. Geburtstag Dr. Martin Luthers festlich begangen worden. Sonnabend, den
10. November trafen mit dem 9. Glockenschlage unter Begleitung ihrer Lehrer und der Schulvorstände die Kinder der Schulen zu Ober- und Niederrossau im Saale des Schubertschen Gasthofes hierselbst ein, um das Fest durch einen Schulaktus zu beginnen.

Der Aktus selbst bestand, nach einem Eröffnungsgebet des Herrn Louialschulinspektors, aus Deklamationen der Kinder aus Luthers Leben mit abwechselndem Gesange, woran sich die Festrede des Herrn Lehrer Schuricht aus Oberrossau schloß, welcher darin gipfelte, was soll die Lutherfeier für unsere Kinder? Redner führte nun aus was Luther für ein gutes, folgsames Kind gegen seine Eltern, ein bescheidener, lernbegieriger Schüler gegen seine Lehrer, ein freundlicher, gefälliger Kollege gegen seine Mitschüler und ein sittiger, frommer Knabe als Kurrentsänger gewesen sei, und wie sie, die Kinder, in ihm stets ein gutes Vorbild sehen und danach trachten sollen, ihn in diesen Beziehungen ähnlich zu werden. Nach einem Schlussgebet des Loialschulinspektors Herrn P. Dittrich, und nachdem die Schüler der Unterklassen je eine Lutherdenkmünze als Andenken in Empfang genommen, stärkten sich alle Kinder auch leiblich, indem sie aus freien Mitteln der Schulklasse Kaffe und Martinsbrötchen erhielten, womit sich die Schulfeier schloß.

Nachmittags von 1- 2 Uhr wurde mit allen Glocken geläutet, worauf ein liturgischer Gottesdienst abgehalten wurde. Tags darauf, am Sonntage, versammelten sich die Kirchgemeindemitglieder auf dem Pfarrhofe, um, unter Vorantritt der Schuljugend, des Geistlichen und des Kirchenvorstandes der Gemeinderäte, des Militärvereins, welche ihre Ehrenzeichen angelegt hatten, einen Zug zu bilden, der unter dem Geläut der Glocken von der Pfarre bis zum Schubertschen Gasthof und von da den Dorfweg hinunter bis zur festlich geschmückten Kirche ging.
Nach Gesang eines Liedes wurden von Herrn P. Dittrich die der Kirche gemachten Geschenke:

Von Herrn Gutsbesitzer Dittrich und dessen Schwiegermutter der verehel. Frenzel eine kostbare rote Altar- Taufstein und Kanzelbekleidung,
von Herrn Standesbeamten Barthel (Brot und Wein sinnbildlich darstellend) ein Strauß künstlicher Ähren und Weintrauben
von Herrn P. Dittrich eine vom hiesigen Tischler Thomas gefertigte Tafel mit dem Verzeichnis der hiesigen Pfarrherren
von freiwilligen Gaben der Jünglinge, Jungfrauen, Männer und Frauen beschafft:
1 Altarbibel, 1 Altarpult, ein neues Altarkruzifix, 2 Öldruckbilder und höchstfeine, geschmackvolle Gefäße für Hauskommunion,

feinlichst geweiht. Worauf Festpredigt und Gottesdienst wie gewöhnlich folgte.

Nachdem am Nachmittag des selben Tages die abgehaltenen Kindergottesdienste, bestehend aus Ansprachen des Herrn Pastors an die Kinder mit Gesängen abwechselten, bildete das Setzen einer Buche auf dem Kirchhofe, welche nach einem kurzen Gesange vom Ortspfarrer geweiht wurde, den Schluss dieses würdigen, jeden in Erinnerung bleibenden Festes. In der Ergänzung des Kirchenvorstandes vorgenommen Wahl wurden die Herrn Barthel und Dietze in Niederrossau, A. Genge in Oberrossau wieder gewählt, während in Weinsdorf an Stelle des Tischlers Uhlig der Gutsbesitzer Bäßler trat, und hat am 2. Weihnachtsfeiertage die Einweihung derselben durch Herrn P. Neldner in Seifersbach, da der Ortspfarrer durch schwere, anhaltende Krankheit, infolge dessen er auch gekündigt, hierzu behindert war, stattgefunden.

Veränderungen in Schulsachen sind dadurch vorgekommen, das Herr Hilfslehrer Polster nach Mittweida versetzt wurde und dessen Stelle Herr Ehregott Höppner vom Seminar Borna eingenommen hat. Die Neuwahl des Schulvorstandes ergab, das die Herren Schubert, Frenzel und der Unterzeichnende (Genge) in den Schulvorstand einzutreten haben.

Die Rinder und Pferdekonsignation hat ergeben dass von 65 Besitzern 420 Rindergehalten werden, das sind 2 Besitzer und 2 Rinder weniger als voriges Jahr. Von 31 Besitzern wurden 61 Pferde (ein Besitzer mehr als im vorigen Jahr) in Niederrossau gehalten. Die Regiestrande des Gemeindevorstandes hat vom Jahre 1883 aufzuweisen:

209 Eingänge, 239 Eingänge von Behörden, zusammen 448. 575 Abgänge, 131 Abgänge an Behörden, zusammen 706. Hiervon sind inbegriffen:

78 Wohnungsanmeldungen
83 Wohnungsabmeldungen
13 Anmeldungen für die Stammrolle
8 Anmeldungen von Feuerversicherungen
5 Bauanmeldungen
Bestraft sind:
1 wegen Fahrens ohne Kreuzzügel
2 wegen Forstdiebstahl
1 wegen Bettelns zusammen 4 Personen
Ziehkinder sind 5 zur Anmeldung gekommen.
Es gab 9 Gemeinderatssitzungen
7 Armenvereinssitzungen
5 Gewerbeanmeldungen und 3 Gewerbeabmeldungen
12 Aufgebote wurden ausgehangen
es gab 8 Besitzveränderungen
es wurden 3 Arbeitsbücher und 15 Gesindebücher ausgestellt.

Die am 19 November vorgenommen Maas- und Gewichtsrevision ergab bei 7 Handeltreibenden, 3 Längen- 24 Flüssigkeits- und Trockenmaase. 8 Waagen, 83 Gewichte, 4 Messapparate, sämtlich gültig.

1882 1883

1884

1885

Mit dem ersten Januar ist für Niederrossau ein neues Ortstatut in Kraft getreten.

Dem vom 4. Januar erfolgten Todes des Herrn Pastors Julius, Theodor Dittrich, folgte am 8., das Begräbnis desselben in höchst würdiger Weise. Mittags nach 12 Uhr versammelten sich im nahen Schubertschen Gasthofe die Kirchen- und Schulvorstände, die Gemeinderäte der Parochie, der Militärverein mit angelegten Ehrenzeichen, der landwirtschaftliche und der Krankenunterstützungsverein, um im geschlossenen Zuge nach der Pfarre sich zu begeben und dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erzeigen. Nach dem Abschiede der diesjährigen Konfirmanten sprachen am Sarge die Herren P. Schumann aus Ringethal und P. Türk aus Erlau mit bewegten und bewegenden Worten, worauf der ganze Trauerzug sich in die dicht gefüllte Kirche begab, den Sarg auf dem Altarplatz niederlassend. Einer Rede des Herrn P. Schumann auf dem Altar folgte ein Abschiedsgruß des Herrn Fleischer aus Auerswalde, namens der niedererzgebirgischen Predigerkonferenz.
Sämtliche 15 anwesenden Amtsbrüder des Hingeschiedenen – darunter der greise Schwiegervater desselben und manch langjähriger Freund, zum Teil aus weiter Ferne – beteten am Sarge einen Spruch, worauf sich die Begräbnisfeierlichkeit unter den gewöhnlichen Zeremonien schloß.
War die Beteiligung an dieser Feier von seiten der Kirchgemeinde erfreulicher Weise eine recht starke zu nennen, so war auch die der Umgegend hierbei nicht zurück geblieben und ganz besonders anfüllte es mit Genugtuung, auch den Herrn Bezirksschulinspektor Brunner unter den Anwesenden zu sehen. Es fiel aber auch allgemein auf das der Herr Superintendent Dr. Bruder dieser Feier ferngeblieben war. Am Sonntage darauf hielt Herr P. Schumann eine Tiefergreifende und erbauende Gedächtnisspredigt über den Spruch“ Die Lehrer werden leuchten“

Der Heimgegangene war ein Mann, treu im Amte, fest im Glauben, edel von Charakter, einfach und gesellig im Umgange, anspruchslos gegen seine Gemeinde und ein Vater für die Armen, so das sein Andenken uns für lange Zeit in Erinnerung bleiben wird.

Vertreter des Pfarramtes während der Übergangszeit war der Herr P. Schumann in Ringethal.
Die Vakanzprediger waren

am 3. Februar P. Neldner – Seifersbach,
am 17. Februar Archidiaconus Nicolei – Mittweida,
am 9 März P. Taubert – Altmittweida,
am 30. März P. Uhlig – Frankenau,
am 14. April P. Türk – Erlau,
am 2. Juni P. Siebenhaar – Ottendorf,
am15. Juni P. Hentzschel – Crossen,
am 29. Juni P. Michael – Geringswalde,
am 13. Juli P. Neldner – Seifersbach,
am 29. Juli Diac. Teufer – Mittweida .
Die so genannten Probepredigten wurden gehalten
am 4. Mai von Herrn P. Hildebrand aus Siebenlehn,
am 11. Mai von Herrn P. Lehmann aus Strauch bei Großenhain und
am 18. Mai von Herrn Diaconus Richter aus Öderan, wovon Herr P. Hildebrand vom Kirchvorstand als Pfarrer von Rossau gewählt wurde.

Nachdem in der hiesigen Pfarre verschiedene kleinere Veränderungsbauten vollendet waren und die verw. Frau P. Dittrich, sich nach Waldheim wendend, die Pfarrwohnung verlassen hatte, hielt der neugewählte Pfarrer am 4. August hier seinen Einzug.
Vom Kirchvorstande wurde derselbe per Wagen vom Bahnhof Hainichen abgeholt, an der Oberrossauer Grenze von der Schule zu Oberrossau zwischen den Gutsbesitzern Preußner und Römer, aber von der Schule zu Niederrossau, vom Militärverein, Gemeinderäten u.s.w. empfangen.
Unter lebhafter Beteiligung vieler Gemeindemitglieder bewegte sich der nun formierte Zug auf dem vielfach mit Girlanden geschmückten Dorfwege nach der Pfarrwohnung, wo auf dem Pfarrhofe Herr P. Schumann die Begrüßungsansprache hielt. Vielfach dankend, zog der neue Pfarrer, nachdem Herr Ortsrichter Polster als Vorsitzender des Kirchenvorstandes ihm mit kurzen Worten den Schlüssel der neuen Pfarre übergeben hatte, in seine Wohnung ein.
Nachdem noch die Niederrossauer Schuljugend genügend durch einen Trunk Bier gelabt war, schloß sich die Feier mit einem im Schubertschen Gasthofe abgehaltenen Festessen und gemütlichen Beisammensein.
Da Paragraph 9 des neuen Ortsstatutes bestimmt, das alle Inhaber von Schankwirtschaften (mithin auch der Besitzer des Gasthofes) jährlich 15 Mark Schanksteuer zu zahlen haben, glaubte Herr Schubert vom Gemeinderat sei ihm Unrecht geschehen und erklärte deshalb seinen Austritt als Gemeindeältester. Da der Gemeinderat eine Bestrafung Schuberts in diesem Falle nicht wünschte, ward er entlassen und an dieser Stelle der Gutsbesitzer Herr Anton Frenzel gewählt.

Bei der diesjährigen Einschätzung zur Einkommenssteuer wurde pro Acker ca 6. Mark niedriger angenommen, wodurch viele eine Steuerklasse niedriger kamen.

Abgeschätzt wurden überhaupt 244 Personen und verteilen sich diese nach folgenden Steuerklassen:
Kl. I: 27
Kl. II: 76
Kl. III: 57
Kl. IV:17
Kl. V: 18
Kl. VI: 7
Kl. VII: 7
Kl. VIII: 5
Kl. IX: 4
Kl. X: 4
Kl. XI: 9
Kl. XII: 6
Kl. XIII: 2
Kl. XIV: 2
Kl. XV: 4
Kl. XVI: 1
Kl. XIX: 1

Das gesamte Einkommen Niederrossaus beträgt 220. 880,- Mk.
Nach Abzug der gesetzlichen Abzüge im Betrage von 24.690,- Mk, verbleiben 195. 920,- Mk steuerpflichtiges Einkommen wofür 1575,50 Mk Einkommenssteuer zu entrichten sind.
Ein Antrag von hiesigen Einwohnern, auch communliche Abgaben nach dem Einkommen zu erheben, ward vom Gemeinderate zurückgewiesen.

Infolge eines Magenleidens ward der Gemeindediener Johann Christian Seifert, trotzdem er sich bezwang, den Dienst, wenigstens den Tagesdienst, fortzusetzen, bis er schließlich auch diesen aufgeben musste und endlich am 25. April verstarb. Der Gemeinderat ehrte die treue Pflichterfüllung des Hingeschiedenen durch Beteiligung an dessen Begräbnis.

Dem Einwohner und Strumpfwirker Karl Gottlob Lippmann, der früher schon Gemeindediener war, als solcher aber wegen Dienstvernachlässigung infolge Trunksucht entlassen wurde, vertraute man nun das Amt des Gemeindedieners auf sein Bitten nochmals an und hat man auch diese Wahl bis jetzt nicht zu bereuen gehabt, was auch Veranlassung gab, das einige Herren in Anerkennung der guten Haltung Lippmanns im Dienste denselben einen neuen Dienstrock und Hosen als Weihnachtsgeschenk zu beschaffen und zu übergeben.

An Stelle des nach Amerika ausgewanderten Häuslers Wilhelm Gerstenberger ward am 31. Mai der Häusler und Stellmacher Johann Gottlob Hähner in den Gemeinderat gewählt.
Die Wahlen am 29. und 30.November waren auf die Gutsbesitzer Gottlob Dietze und August Dippmann, auf den Häusler und Schankwirt Karl Fischer und den unansässigen Maurer Karl Schlegel gefallen, welche die Wahl annahmen, während der Mühlenbesitzer Stockmann, der schon 14 Jahre dem Gemeinderat angehörte, seine Wiederwahl ablehnte.

Anfang Mai traten die Gemeinden Oberrossau, Niederrossau und Weinsdorf zu einem Verbande zusammen, welcher arme Durchreisende nachdem sie 1/16 Meter Steine geschlagen haben, mit 20 Pfennig für jeden einzelnen Fall unterstützte.
Seit Begründung dieses Unterstützungsverbandes gehören bettelnde Durchreisende zu ganz seltenen Ausnahmen.

36 Hausbesitzer hielten am 10. Januar 36 Hunde. Die Consignation der Rinder ergab 63 Besitzer mit 438 Rindern, sowie 30 Besitzer mit 66 Pferden.
Bei der am 31. Mai in Mittweida abgehaltenen Pferdemusterung kamen 59 zu Vorführung.

Versuchsweise ward am 30.November ein aus freiwilligen Beiträgen veranstaltetes so genanntes Gemeindebier mit Tanz abgehalten, welches auch in schönster Weise verlief, so dass eine Wiederholung bereits beschlossene Sache ist. Sämtliche selbstständigen Einwohner der Gemeinde können daran teilnehmen.

Die Regiestrande des Gemeindevorstandes enthält 1003 Eingänge und 970 Abgänge, hierunter sind

108 Wohnungsanmeldungen
94 Wohnungsabmeldungen
13 Aufgebote auszuhängen
1 Gewerbeanmeldung
2 Gewerbeabmeldungen
4 Arbeitsbücher auszustellen
12 Gesindebücher auszustellen
5 Bauanmeldungen
9 Bauvollendungsanzeigen
12 Anmeldungen zur Stammrolle
3 Armenvereinssitzungen
15 Gemeinderatssitzungen
Ziehkinderanmeldungen
Ziehkinderabmeldungen
18 Mobilienversicherungsanmeldungen u.s.w.
Bestraft wurden aus Niederrossau 8 Personen, und zwar:
4 wegen Unfugs
1 wegen fahren ohne Schilds
2 wegen Sonntagsentheiligung vom Gemeindevorstand allhier
1 wegen tragen eines Revolvers von der Amtshauptmannschaft Rochlitz

Impflinge gab es 37, und zwar 18 erstmalige, und 19 Zwölfjährige.
Besitzveränderungen sind 9 zu verzeichnen.

Die Kirchennachrichten berichten uns, das in der Parochie 66 Kinder (darunter 11 uneheliche), davon wiederum 37 in Niederrossau, geboren wurden.
Es starben in der Parochie 36, davon in Niederrossau 20 Leute.
26 wurden konfirmiert. Der verstorbene Herr P. Dittrich hat seiner Kirchfahrt ein Legat von 600,- Mk ausgesetzt, dessen Zinsen zur Hälfte für die Armen und zur anderen Hälfte für die Ausschmückung der Kirche verwendet werden sollten.
Auch die verstorbene Wg. Rechenberger hat der Schulklasse 6,- Mk und der Armenkasse 3,- Mk testamentarisch vermacht. Am 31. Dezember wurde in der Pfarrwohnung dem hiesigen Kirchschullehrer Herrn Christian Friedrich Räbiger das ihm von Seiner Majestät dem König anlässlich der langjährigen Dienstzeit verliehene Albrechtskreuz durch den Herrn Bezirksschulinspektor Brunner aus Rochlitz im Beisein des Kirchen- und Schulvorstandes feierlich übergeben.

Unglücksfälle:
Am 3. September schlug der Blitz in das Wohngebäude des Gutsbesitzers Ernst Dietze Nr. 73. In der am Südgiebel des Wohnhauses gelegenen Wohnstube, wo die an diesem Tage hier einquartierten zwei Ulanen eben beim Mittagessen waren, wurde der am Fenster hängende Barometer zerschmettert, ohne sonst weiteren Schaden anzurichten. Auf dem Essenkopfe, auf dem First und dem Essensparren der Nordseite des Daches wurde eine bedeutende Quantität Schiefer beschädigt, und Steine an der Nordwand des Stalles erschlugen eine dort hängende Kuh. Ein auf dem Oberboden des Gebäudes entstehender Brand wurde glücklicherweise gelöscht, was in erster Linie den gerade anwesenden Soldaten mit zu verdanken war. Eigentümlich aber bleibt es, dass auch die in einem Stalle des Nebengebäudes stehenden Soldatenpferde vom Blitz beschädigt wurden.

Beim Ausbessern des Daches der Pfarrwohnung fiel der Schieferdeckermeister Fischer aus Oberrossau so unglücklich in den Gemüsegarten herab, das er sich beide Arme brach und sofort nach Hause gefahren werden musste.

1882 1883 1884

1885

Vom Kirchenvorstande ist die alte, gute Sitte, den Brautpaaren bei der Trauung die sog. Traubibel anzubieten, seit Jahresbeginn wieder eingeführt worden. Nur wird die Bibel nicht umsonst, sondern gegen Erlegung von Mark 3,- abgegeben.

Auch in Schulsachen hat das Jahr 1885 verschiedenes denkwürdige mit sich gebracht. Wegen der Wiederbesetzung der, durch den Abgang Herrn Räbigers, welcher in den Ruhestand trat, sich erledigten Schulstelle, wurden die Herren Lehrer Schuricht in Oberrossau, Lehrer Ledig in Thierbach, und Oberlehrer Müller in Pirna zur Wahl vorgeschlagen. Am 2.Februar vormittags hatten die Herren vor dem Herrn Bezirksschulinspektor sowie den Schul- und Kirchenvorstand die Schulnachmittags und die Kirchenprobe abzulegen. In der am anderen Tage stattfindenden Wahl wurde Herr Schuricht Oberrossau als Kirchenschullehrer gewählt.
Am Einzugstage desselben, am 1. Mai, begaben sich die Mitglieder des Schulvorstandes per Wagen nach Oberrossau, um den neuen Lehrer zur Feier des Tage zu begrüßen und zu beglückwünschen, und in seine neue Heimat abzuholen, wo er auf der Grenze von den festlich geschmückten Schulkindern mit Gesang und einer Rede des den Zug leitenden Herrn Hilfslehrer Höppner empfangen wurde.
Am Kirchentore wurde Herr Schuricht von Herrn Lokalschulinspektor P. Hildebrand mit kurzer Rede begrüßt und ihm der Schlüssel zu seinem neuen Heim übergeben, woran sich ein kurzes Dankeswort des Herrn Schuricht schloß.
Eine einfache Tafel und eine dieser folgenden zwangslosen, gemütlichen Unterhaltung hielt die anwesenden Gemeindemitglieder noch bis zum Abend im Schubertschen Gasthof zusammen.
Dem abgehenden Herrn Räbiger wurde am Abend vor seinem Auszuge aus der Schulwohnung unter Anwesenheit sämtlicher Kirchen- und Schulvorstände namens der Kirchen- und Schulgemeinde ein schöner Regulator durch Herrn Pfarrer Hildebrand mit kurzen Abschiedsworten überreicht.

Der hiesige Gemeinderat wie der Schulvorstand trat dem Antrage der Gemeinde Weinsdorf auf Vermehrung der Mitglieder des Schulvorstandes bei. So das dieser jetzt aus 11 Mitgliedern, als dem Pfarrer, dem Lehrer, 6 Personen des Gemeinderats zu Niederrossau und 3 Personen aus Weinsdorf besteht.
In Niederrossau wurden die Herren Gutsbesitzer Ernst Dietze, Friedrich Ulbricht, Stellmacher Hähner und in Weinsdorf Herr Gutshofbesitzer Wolf dem Schulvorstande zugewählt.
Die Erteilung des Nähunterrichtes ist dem Frl. Räbiger gekündigt, und der Frau Lehrer Schuricht übertragen worden.
Der Fortbildungsschulunterricht, der jetzt ein einmaliger, wöchentlich 3-stündlicher war, ist wieder ein wöchentlich zweimaliger und damit 4-stündlicher geworden.
Dem Drängen der Schulinspektion, einen Schulerweiterungsbau vorzunehmen, hat nun endlich der Schulvorstand nachgegeben und liegt jetzt die Bauzeichnung dazu der Kgl. Schulinspektion zur Bestätigung vor.
Endlich sei noch erwähnt, dass Herr Bezirksschulinspektor Brunner in Rochlitz in gleicher Eigenschaft nach Zwickau versetzt und an dessen Stelle Herr Schuldirektor Dr. Böhme aus Plauen getreten ist.

Was Armensachen anbelangt, so ist die unterstützte, Hochbetagte Witwe Friedericke Ulbricht, wie auch die ebenfalls unterstützte, jedoch noch in jüngeren Jahren stehende Witwe Amalie Butter gestorben und auf Kosten der Stammkasse beerdigt worden. Die Schwester der ersteren, der Witwe Bretschneider in Döbeln, schickte der Armenverein, weil sie darum bat, einige Kleidungsstücke sowie die vorgefundenen Briefe und Fotographien der Verstorbenen als Andenken zu.

Durch den Tod der Witwe Butter machte sich die Unterbringung von deren hinterlassenen Kindern von gemeindewegen notwendig und hat den ältesten 9-jährigen Sohn, dessen Onkel der Schumacher Gotthold Lippmann, den 7-jährigen, der Unterzeichnete und den 3-jährigen der Hausbesitzer Jentzsch, erstere beiden unentgeltlich, letzterer gegen eine Entschädigung von 78 Mark in Pflege genommen.
Dem Weber Junghanns in Mittweida hat man, da er daselbst Ratsarbeiter geworden, also festen Lohn hat, die Unterstützung entzogen.
Hochherzigerweise schickte, wie schon in wie früheren Jahren, auch zum diesjährigen Weihnachtsfeste, die Witwe Rosine Lippmann in Altmittweida, 30 Mark dem hiesigen Gemeindevorstand zur beliebigen Verteilung an hiesige Arme, zu.

In Verbandssachen ist zu berichten, dass sich die Hebamme Krauße nachdem ein von ihr beim Verbande gestellter Antrag, man möge ihr die Umgehungsentschädigung, welche jetzt Mark 2,- für jeden einzelnen Fall betrage, auf Mark 3.- erhöhen, zurückgewiesen worden war, wiederholt deshalb an die Kgl. Amthauptmannschaft gewendet hatte, wurde von letzterer der Krauße ohne weiteres ein fester jährlicher Gehalt von Mark 100,- zugesprochen, woran auch eine bei der Kgl. Amthauptmannschaft Leipzig dagegen eingewendeter Recus nicht zu ändern vermochte.
Die Einrichtung des Verbandes, nach welcher an arme Reisende, nachdem sie 1/16 Meter Straßensteine klar geschlagen haben, je 20 Pfg. gewährt werden, ist von 232 Reisenden benutzt worden (vom 15. Mai 1884 bis dahin 1885) wovon ihre Karten 130 im Gasthofe zu Niederrossau, 72 in dem zu Oberrossau und 30 in dem zu Weinsdorf abgegeben haben. Die hiervon aufgelaufenen Gesamtkosten betrugen inklusive der Beschaffung des Handwerkszeuges und nach Anrechnung des aus den geschlagenen Steinen erzielten Erlös von Mark 63,- wovon Mark 31,- auf die Gemeinde Niederrossau entfallen, eine gewiss gering zu nennende Summe, wenn man bedenkt, dass, falls man täglich 3 Reisende, denen in Niederrossau in ca. 70 von 160 Haushaltungen gegeben werden soll, rechnet, diese damit ein Kapital von über Mark 760,- nur allein aus unserer Gemeinde herausfechten. Es bleibt hierbei nur noch zu wünschen, daß alle Gemeindemitglieder das Unternehmen des Verbandes da-durch unterstützen, dass sie an arbeitsfähige und an Werktagen erscheinende Bettler überhaupt keine Gaben mehr verabreichen.

Endlich zu Gemeindeangelegenheiten übergehend, so beschäftigte den Gemeinderat gleich am Beginn des Jahres eine auf die Einziehung einer Strecke des Weges nach Moosheim „Querweg“ genannt, bezügliche Eingabe der an diesen Wege Angrenzenden. Nach reiflicher Überlegung und Erwägung trat der Gemeinderat diesem Gesuche bei. Obwohl nun, nachdem die Einziehung dieses Wegeteils bekannt gemacht wurde, von vielen, man spricht von einigen dreißig Gemeindemitgliedern, Einspruch dagegen erhoben wurde, hatte sich doch die Amtshauptmannschaft für Einziehung dieses Weges erklärt und änderte auch eine vom Fabrikschmied Graber und Genossen dem Böttcher, Hans an die Kreishauptmannschaft eingegebene Beschwerde an dieser Sache nichts.

Einem Gesuche unsererseits, man wolle im Orte noch einen zweiten Briefkasten anbringen, ward vom Kaiserlichen Postamt Hainichen nicht nur nicht entsprochen, sondern überhaupt eine Antwort hierauf nicht erteilt. In umso freundlicher und zuvorkommender Weise fand unser Gesuch bei der Kaiserlichen Oberpostdirektion Leipzig Berücksichtigung, die sehr bald die Anbringung eines Zweiten Briefkastens verfügte.

Dem wiederholt eingebrachten Antrag einer Anzahl Gemeindemitglieder, dass man die Ortsabgaben nach dem Einkommen erheben möge, ward seitens des Gemeinderates stattgegeben und ein Regulativ aufgestellt, nach welchem die Grundstücksbesitzer nach den auf ihren Grundstücken liegenden Steuereinheiten, alle anderen Gemeindeglieder – auch unselbständige – soweit sie das 16. Lebensjahr überschritten haben, aber nach ihren freien Einkommen einzuschätzen sind.

Wie im Vorjahre, so verliefen auch dieses Jahr die zwei abgehaltenen Gemeindebiere in gemütlicher und harmloser Weise, so dass die Wiederholung derartiger Vergnügen in Aussicht genommen ist.

Ein Bericht der Aufsichtsbehörde über die im September des Jahres stattgefundenen Revision des Gemeindeamtes ist dem Gemeinderate nicht zugegangen, so dass etwas weiteres hierüber sicht nicht sagen lässt.
Gelegentlich dieser Revision ergab sich, dass beim Ortssteuereinnehmer Heinrich Lippmann, ein nicht unbedeutendes Kassen-Manko vorgefunden wurde, was zwar in kürzester Zeit gedeckt, doch dem Einnehmer eine scharfe Rüge über seine Amtsführung von seiten der Amthauptmannschaft zuzog.
Herr Wirtschaftsbesitzer Heinrich Lippmann kündigte das von ihm seit 11 Jahren verwaltete Amt des Ortssteuereinnehmers, und Herr Stellmacher Friedrich Kühn ward als solcher gewählt und am Jahresabschlusse verpflichtet.

Wiederum hat Herr Gasthofbesitzer Schubert bei Bezahlung der im Ortsstatut vorgesehenen Mark 15, Schanksteuer, und zwar diesmal durch seinen Vertreter, den Herrn Rechtsanwalt Schneider in Mittweida, Protest eingelegt, dass er zunächst die Entscheidung der Verwaltungsbehörden hierüber herbeiführen, sodann aber gegebenen Falls, den Rechtsweg betreten will. Herr Schubert stützt sich hierbei auf einen in den alten Dorfrügen von 1734 bzw. 1805 enthaltenen, von der Gemeinde mit seinen Vorfahren abgeschlossenen Vertrag, nach welchem dem Besitzer der Erbschänke für sich und seine Nachkommen jederzeit freier Schank zugesprochen ist. Nach Lager der Sache wird sich’s jedenfalls bald klären, ob dieser Vertrag noch heute zu Recht besteht, voraussichtlich aber wird sich der Gemeinderat mit der Entscheidung der Verwaltungsbehörden begnügen und von einer Betretung des Rechtsweges hierüber absehen.

Die am 1. Dezember stattgefundene Volkszählung ergab für hiesige Gemeinde 335 männliche und 343 weibliche in Summe also 678 Personen in 165 Haushaltungen. Nach vereinzelt aufgefundenen Notizen früherer Gemeindevorsteher hatte Niederrossau im Jahre

1861 = 635 Seelen
1864 = 681 Seelen
1867 = 684 Seelen in 169 Haushalten
1871 = 733 Seelen in 175 Haushalten
1875 = 728 Seelen
1880 = 710 Seelen in 174 Haushalten
1882 = 695 Seelen in 170 Haushalten.

Seit dem Jahre 1871, wo Niederrossau die meisten Einwohner zählte, hat es also nach der letzten Zählung um 55 Seelen und 10 Haushaltungen abgenommen.

Diese 678 Seelen der letzten Zählung waren dem Alter nach:

117 Kinder bis zu 6 Jahren
129 Schulkinder
76 von 14 – 20 Jahren,
86 von 20 – 30 Jahren,
72 von 30 – 40 Jahren
73 von 40 – 50 Jahren
48 von 50 – 60 Jahren
43 von 60 – 70 Jahren
29 von 70 – 80 Jahren
5 von 80 – 90 Jahren – unter letzteren 2 mit erfüllten 89 Jahren.

Dem Personenstand nach waren von diesen 678 – 383 ledig, 253 verheiratet, 36 verwitwet, 4 geschieden und 2 getrennt lebend.

Die Regiestrande des Gemeindevorstandes verzeichnet 1099 Eingänge und 1037 Abgänge. Hierunter sind:

124 Wohnungsanmeldungen
88 Wohnungsabmeldungen
2 Gewerbeanmeldungen
11 Aushängen von Aufgeboten
14 ausgestellte Gesindebücher
4 ausgestellte Arbeitsbücher
14 Anmeldungen zur Stammrolle
10 Bauanmeldungen und Ziehkinderanmeldungen

Ferner wurden aus Niederrossau bestraft:

1 Person vom Gem.-Vorstand wegen Unfugs zu Mark. 1,- Geldstrafe
1 Person vom Amtsgr. Mittw. Wegen Forstdiebst. Mark 2.- Geldstrafe
1 Person vom Amtsanw. Krempe wegen Betteln zu 24 Std. Haft
1 Person vom Gem.-Vorst. Niederrossau wegen Aufbewahren von Asche an feuergefährdeten Orten Mark 1,-
1 Person vom Amtsgr. Limbach wegen Diebstahl 2 Wochen Gefängnis
1 Person vom Amtsgr. Zöblitz wegen Entziehung eines Stückes Wildes aus amtlicher Verwahrung, und wegen Zollvergehen, 1 Tag Gefängnis, der im Gnadenwege zu Mark 10,- Geldstrafe verwandelt worden ist.

Abgehaltene Armenvereinssitzungen sind 8 per 1885 und 165 seit 1854 zu verzeichnen, während Gemeinderatssitzungen 1885 14, seit Inkrafttretung der Landgemeideverordnung aber, also seit 1839 insgesamt 456 bis Jahresschluss 1885 abgehalten worden.

Konsigniert wurden:

36 Hunde von 35 Besitzern
67 Pferde von 31 Besitzern
462 Rinder von 64 Besitzern

Der Gemeindekrankenkasse gehörten am Jahresschluss 13, im ganzen laufenden Jahre aber 26 versicherte Personen an, welche an Gesamtsteuer Mark 61,05 aufgebracht haben, wovon Mark 39,60 an die Hauptkasse abgeliefert, 21,38 Mark aber teils als Krankengeld für 2 Erkrankte, teils als ärztliches Honorar und zur Bezahlung der Arzneikosten verausgabt worden sind. Hierunter sind jedoch Ausgaben für Formulare oder zur Besoldung des Direktors nicht mit inbegriffen, diese sind vielmehr von den Gemeindekassen nach Maßgabe der Versicherungsbeiträge noch besonders aufzubringen.
Nach den Kirchennachrichten wurden:
Geboren in der Parochie 46 Kinder, davon 25 in Niederrossau, getraut 17 Paare, beerdigt in der Parochie 27 Personen, davon 17 aus Niederrossau, konfirmiert 34 und 1261 Personen haben kommuniziert, darunter 683 aus Niederrossau.
Endlich ist aus vorigem Jahre noch nachzutragen, dass Herr Ortsrichter Johann Gottlob Polster seiner Gemeinde, welcher er nunmehr bald 47 Jahre als Gemeindeältester gedient hat, einen Helm für den Ortspolizeidiener geschenkt hat.

Wir wünschen, dass Herr Polster unserer Gemeinde noch lange dienen, und namentlich sein in nicht ferner Zeit bevorstehendes 50-jähriges Amtsjubiläum, in ungeteilter Frische des Geistes und des Körper feiern möge.

1886

Zunächst sei erwähnt, dass bezüglich des im vorigen Jahre erwähnten Schankzinses, der Gastwirt Schubert das Verfahren eingestellt und sich zu fügen versprochen hat. Der Schankzins wurde ihm (Schubert) erlassen (von 1886), da er sich mancherlei Verdienste um die Gemeinde erworben hat.

Die Kirchenvorstandswahl ergab, dass die jetzigen Kirchenvorstände sämtlich wieder gewählt waren, da indes Herr Gutsbesitzer Friedrich Ulbricht die auf ihn gefallene Wahl nicht annahm, musste für Niederrossau zu einer Nachwahl geschritten werden, aus welcher Herr Gutsbesitzer Ernst Dietze und der Unterzeichnete (Genge) als gewählt hervorgingen.

Herr Hilfslehrer Otto Höppner, welcher als solcher in Zwickau Anstellung fand, wurde durch Herrn Hilfslehrer Müller aus Geringswalde ersetzt.
Die Stelle wurde hierbei auf Mark 650.- erniedrigt, doch hat Herr Müller dies Jahr eine Zulage von Mark 50.- erhalten.

Auch wurden die letzten Schulden vom Rohrwasserlegen im letzten Jahr getilgt, durch das von Herrn Ortsrichter Polster geliehene Kapital von Mark 400.- zurückgezahlt Der 2. Termin Grundsteuer, welcher laut Gesetz der Schulklasse zufließt und über Mark 600.- beträgt, ist als Baufond in der Sparkasse zu Mittweida eingelegt worden.

Das Schulrechnungsjahr, welches jetzt mit dem 31. März schloß, soll sich künftig mit dem bürgerlichen Jahr decken.
Als Schulvorstände wurden Herr Gutsbesitzer Anton Frenzel und Unterzeichneter wieder und Herr Gutsbesitzer Robert Thiemer an Stelle des Herrn Gastwirt Schubert neu gewählt.

Armensachen:
Lediglich, um sich hier auf den Unterstützungswohnsitz nicht zu verzichten, bezog die Familie Tippmann, welche noch vor zwei Jahren ein hübsches Bauerngut besessen hatte, das jetzt gänzlich verarmt war, auf einige Wochen das hiesige Armenhaus.
Die Witwe Schmidt, welche unterstützt wurde, verstarb im 86. Lebensjahre und fiel deren Nachlass dem hiesigen Ortsarmenverband zu.
Der Witwe Polster in Rößgen wurde die Unterstützung entzogen.
Am Sonntage vor Ostern verletzte sich beim Dachausbessern der Schieferdecker K. F. W. Köhler an einem Fuße, so dass er wochenlang unterstützungsbedürftig wurde. Da Köhler landarm ist, wurden die Kosten aus dem Landarmenfonds zurückerstattet.
Der Handarbeiter Jobst wurde im letzten Jahr von seiner durch die Gemeinde in der Vorsorgeanstalt Hubertusburg untergebrachten geisteskranken Ehefrau geschieden.

In Gemeindesachen dürfte zunächst der Verkauf des Landes von dem eingezogenen Querweg zu erwähnen sein. Sämtliche Angrenzende haben das Land zum Preis von Mark 3.- pro Ruhte gekauft, mit Ausnahme des Herrn Gottlob Dietze, welcher 20 Pfg. mehr für die Quatrad Ruthe bezahlen musste.

Als Neuerung wurde vom Gemeinderate die Sitte eingeführt, dass Personen, welche das 75. Lebensjahre erfüllen, durch Karte, Personen aber, die das 80. – 85. – 90. Lebensjahr erfüllen, durch eine Deputation des Gemeinderates, bestehend aus dem Gemeindevorstand und dem 1. Gemeindeältesten zu diesen Geburtstagen beglückwünscht werden.

Im laufenden wurden also demnach beglückwünscht:

Hanna Vogel – 75 Jahre
Benjamin Langhof – 80 Jahre
Witwe Winkler und Gotthold Ulbricht – 90 Jahre

Am 8. Juli, während eines stürmenden Regens schlug der Blitz in das Wohnhaus des Gutsbesitzers Hermann Seidler, welches bis auf die Umfassungsmauern eingeäschert wurde.
Dieser Tag und Brand gab Anlass zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, wobei das Entstehen dieses Institutes in der Hauptsache den Bemühungen des Herrn Gastwirt Schubert zu verdanken ist. Nächst der Unterstützung aus der hiesigen Ortsfeuerlöschkasse floss ein Betrag von über Mark 72.- zu. Auch Geschenke von einzelnen Gemeindemitgliedern gingen dieser Feuerwehr zu. Die Feuerwehr zählt einige dreißig Mitglieder unter dem Kommando des Herrn Gastwirt Schubert.

Als 1. Gemeindeältester wurde Herr Ortsrichter Polster wieder, als Gemeinderatsmitglieder Herr Stellmacher Gottfried Hähner wieder, und der Herr Gutsbesitzer Heinrich Bernd an Stelle Herrn Friedrich Ulbrichts neu gewählt.
Erwähnt sei noch, dass Unterzeichneter Gem.-Vorstand als Bezirksvertreter der Gemeinden Ober- und Niederrossau mit Weinsdorf, Hermsdorf, Erlebach, Ringethal, Kokisch, Rößgen, Tanneberg und Lauenhain gewählt wurde.

Die Einschätzungskommission zur Einkommensteuer besteht aus Herrn Gastwirt Schubert und Gutsbesitzer Frenzel, nachdem Unterzeichneter die auf ihn gefallende Wahl ausgeschlagen hatte.

Gemeinderatssitzungen wurden 12, Armenvereinssitzungen 6 abgehalten.

Die Ernteergebnisse des Jahres 1886 waren mit Ausnahme des Roggens, welcher einen etwas dünnen Stand hatte, zufrieden stellend. Auch das Einbringen der Früchte ging erwünscht, nur die 1. Haferernte wurde etwas verregnet.
Der Preis stellt sich am 31. Dezember für Roggen Mark 10.50, für Hafer Mark 5.50 per Scheffel.
Trotzdem im Vorjahre der Klee durch Mäusefraß bedeutend gelitten hatte, war niemals Futtermangel zu verspüren.

Eine Sammlung von freiwilligen Beiträgen für die Anstalt Schneckengrün ergab Mark 24.-, eine dergleichen zur Bismarkspende Mark 14.-

Für den Hausbesitzer Wagner in Seifersbach, welcher abgebrannt war und nicht versichert hatte, wurde eine Sammlung veranstaltet, welche Mark 41.35 betrug.

332 Handwerksburschen schlugen je 1/16 Meter Steine und wurden dafür Mark 66.40 bezahlt.

Am 6. Juni feierte der Militärverein zu Weinsdorf das Fest der Fahnenweihe, wobei nicht nur Weinsdorf, sondern auch Ober- und Niederrossau in vollstem Blumenschmucke prangte.
Gegen 2 Uhr nachmittags rangierte sich der Festzug, welcher aus den Ortsbehörden der drei Gemeinden, dem landwirtschaftlichen Verein, dem Verein junger Landwirte und 5 fremden Militärvereinen sich zusammensetzte und ca. 650 Mitglieder, 8 Musikchöre, 6 Fahnen und eine Standarte zählte.
Sr. May. , Der deutsche Kaiser und König Albert, hatten dieser Fahne je eine Schleife vermacht, die Weihe vollzog der hiesige Pfarrer Hildebrand.
Der nach der Weihe erfolgte Umzug erstreckte sich auf Weinsdorf und der Hälfte Niederrossaus. Abends gab es einen Ball für sämtliche Teilnehmer in Niederrossau und Weinsdorf.
Am folgenden Tag ging es unter strömenden Regen nach dem Gasthof Oberrossau, wo die geschenkten Fahnennägel eingeschlagen wurden. Ein Ball in Weinsdorf bildete den Schluss des Festes.

Die im August bei Gutsbesitzer Leberecht Berndt ausgebrochene Seuche des Beschäl- oder Bläschenausschlages, hat sich ein Heilungsverlauf ungemein schleppen und weiter verbreitend gezeigt, ist auch am Jahresschlusse noch nicht erloschen. Außer genannten Berndt wurde davon betroffen:
Gutsbesitzer Friedrich Ulbricht und Rosalie Ulbricht, außerdem Wirtschaftsbesitzer Julius Rost

Infolge des im laufenden Jahre in Kraft getretenen Körungsgesetzes wurde 2 Genossenschaftsbullen und einige Privatbullen in hiesige Orte gekört. 2 Genossenschaften haben sich aufgelöst, doch besteht deshalb hierorts nur noch eine Bullenhaltungsgesellschaft.

Die Kirchennachrichten ergaben in der Parochie:

53 Geburten
18 Paare aufgeboten
12 Paare getraut
32 Personen beerdigt
23 Konfirmationen
1311 Comunikanten

Hiervon kommen auf Niederrossau:

28 Geburten
19 Beerdigungen
740 Comunikanten

Die Registrande des Gemeindevorstandes verzeichnet:

1085 Ein- und 934 Abgänge,

Bestraft wurden laut Strafregister:

4 Personen und zwar wegen Betteln und Landstreichen, Urkundenfälschungen und Beleidigung

Konsigniert wurden:

66 Pferd
451 Rinder
36 Hunde

1887

Es ist ein eigentümliches Jahr gewesen, das Jahr 1887, in Bezug auf die Witterungsverhältnisse und die Landwirtschaft.
Wenigen der Landwirte war es gelungen, ihre Frühjahrsaussaat am Anfang des April auszubringen, die meisten konnten sie erst um Mitte Mai und noch später beenden. Infolge des fast täglich fallenden Regens wurde noch dazu die Saat sehr schlecht eingebracht, so dass man wenig Hoffnung auf ein gutes Ernteergebnis hegen konnte. Und doch war die Ernte eine gute zu nennen, nur Kraut und Rüben waren hinter den Normalertrag etwas zurückgeblieben. Obst gab es fast gar nicht und das Eigentümliche war noch dabei, dass die wenigen Pflaumen nicht einmal vollständig zur Reife gekommen sind. Weintrauben waren massenhaft gewachsen, man sieht sie jedoch noch im Winter an den Stöcken hängen – sie waren erfroren.
Der Preis des Getreides ist trotz der erfolgten Zollerhöhung ein sehr gedrückter, er beträgt im Durchschnitt Mark 9,50 für Roggen und Mark 5,30 für Hafer.

Wegen der Militärvorlage wurde bekanntlich der Reichstag aufgelöst und so entfaltete sich bei der Wahl eines Abgeordneten auch in unserer Gemeinde eine rege Teilnahme. Vor dieser Wahl hatte sich für den Amtgerichtsbezirk Mittweida ein Verein organisiert, der sich Ordnungspartei nennt und auch in unserem Orte zahlreiche Mitglieder zählt. Eine Deputation dieser Mitglieder trägt bei Wahlen Stimmzettel aus, hält die Wähler an, ihrer Wahlpflicht zu genügen, versucht sogar, die säumigen Wähler noch in letzter Stunde herbeizuholen und erteilt ihnen über mancherlei Tagesfragen den nötigen Aufschluss.
Als Reichstagsabgeordneter wurde der Rechtsanwalt Justizrat Schneider in Mittweida, als Landtagsabgeordneter der Gemeindevorstand Seydel in Königshain für hiesigen Wahlbezirk gewählt.
Durch den Wegzug des Maurers Karl Schlegel nach Lauenhain machte sich die Wahl eines Ersatzmannes für denselben zum Gemeinderate nötig.
Bei dieser vorgenommenen Wahl ereignete sich der unliebsame Fall, dass ein Gemeindemitglied aus Namensverwechslung zur Wahl zugelassen wurde, welches nicht stimmberechtigt war. Obwohl die Kgl. Amthauptmannschaft, welcher der Fall vorgelegt wurde, die Wahl nicht für ungültig erklärte, riet man doch, dieselbe zu wiederholen, um damit allen späteren unliebsamen Vorkommnissen vorzubeugen. Während nun bei der ersten Wahl der Schneider Oswald Roll als gewählt zu betrachten war, fielen bei der zweiten Wahl die Mehrzahl der Stimmen auf den Handarbeiter Heinrich Hörnig, welcher denn auch die Wahl annahm.

Die Komunlichen Anlagen wurden im laufenden Jahr zum ersten Mal nach dem neuen Regulativ erhoben.
Man hat sich hierzu mit den Gemeinderäten zu Oberrossau und Weinsdorf geeinigt, dass zum Parochialbedürfnissen Niederrossau – Oberrossau und Weinsdorf %, sowie zum Schulbedürfnissen Niederrossau 70 % und Weinsdorf 29 % beizutragen hat. Für das laufende Jahr entfielen 3 Pfg. auf die Steuereinheit von 100 Pfg. auf die Beitragseinheit.

Die Kaufsache wegen des Querweglandes fand insofern ein Nachspiel, als die Altgemeinde vor dem Amtsgericht Mittweida eine Erklärung abzugeben hatte, ob sie Anspruch auf das Land von diesem Wege erheben wolle.
Erst nachdem letzteres verneint, kam die Sache endlichen zum Abschluss. Die erhaltene Kaufsumme legte man einstweilen zinsbar auf der Sparkasse zu Mittweida an, woselbst sie stehen bleiben soll, bis die Summe von Mark 900 durch die auflaufenden Zinsen erreicht wird, alsdann soll dies Kapital, wenn möglich, hypothekarisch ausgeliehen werden.

Während der diesjährigen militärischen Herbstübung hatte Niederrossau Einquartierung, am 6. September – 7. Batterie und am 19. September – 6. Batterie der Freiberger Artillerie sowie desselben Tag den Bataillonsstab und eine Kompanie Freiberger Jäger.

Über verschiedene Wegebausachen hatte der Gutsbesitzer Leberecht Berndt bei der Kgl. Amthauptmannschaft Beschwerde eingelegt, was zur Folge hatte, dass die Altgemeinde die niedere Dorfbachbrücke erheblich verbreiterte, welches zum Nutzen nicht nur, sondern auch zur Zierde des Dorfes gereichte.

Gemeindebiere wurden zwei abgehalten, die scheinen sich immer mehr und mehr unter den Gemeindegliedern einzubürgern.

Mit der Pflicht- und der freiwilligen Feuerwehr zusammen wurde im Laufe des Sommers eine größere Übung abgehalten, wobei das Thiemer'sche Gut als Brandobjekt angenommen wurde. Die Übung verlief im Ganzen als zufrieden stellend.
Als zweiten Spritzenmeister wählte man den Stellmacher Kühn. Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltete zu Königs Geburtstag eine kleine Feier, bestehend aus Ansprachen, Deklamation und Gesang.
Wie allerwärts im deutschen Vaterlande, ist auch in unserer Gemeinde der 90. Geburtstag des Kaisers Wilhelm, zwar einfach, doch würdig gefeiert wurden.
Zahlreiche Gemeindeglieder waren der Einladung des Gem. Vorstandes gefolgt und wurden von diesem zunächst begrüßt und willkommen geheißen. Gemeinschaftliche Gesänge folgten abwechselnd den Vorträgen der Herren Pfarrer Hildebrand, Lehrer Schuricht und Lehrer Müller. Im Schlussworte dankte der Gemeinde Vorstand den Vortragenden und sprach den Wunsch aus, daß diese kleine Feier dazu beitragen möge, daß alle Gemeindeglieder, gleichviel, ob reich, ob arm, ob jung, ob alt zusammen halten möchten, wenn es gilt, einzutreten, für Fürst und Vaterland sowohl, wie auch für Gemeinde und Schule, für Kirche und Familie, dann werde sich auch der Gemeinde ein Segen daraus erwachsen.
Stehend brachte man dem greisen Jubilar ein dreifaches brausendes Hoch und die offizielle Feier war beendet, obwohl die Anwesenden noch einige Stunden im gemütlichen Beisammensein zusammengehalten wurden.

Dem Wirtschaftsbesitzer Friedrich August Schmalz war es vergönnt, seinen 75., den von Oberrossau zugezogenen Zimmermann Friedrich Gottlob Dietze, dem Gutsauszügler Friedrich August Dietze und dem früheren Bezirksgerichts-Wachtmeister Karl August Schmidt den 80. Geburtstag zu feiern. Ersterer wurde durch Karte, letztere drei durch Deputation, bestehend aus dem Gemeinde Vorstand und dem 1. Gemeindeältesten, Herrn Polster von Gemeindewegen dazu beglückwünscht. Die Auszüglerin Marie Köhler und Christiane Oehme, welche im laufenden Jahre ebenfalls ihr 80. Lebensjahr vollendet hätten, starben noch vor ihrem Geburtstage.
Durch die Feier seines Geburtstages fühlte sich Herr Wachtmeister Schmidt derart geehrt, das es ihn bewog, 50 Mk. für unsere Armen hier einzuzahlen, der Restbetrag Mk. 30 aber, vorläufig in die Sparkasse eingelegt, soll am nächsten Geburtstage des Herrn Schmidt ebenfalls an die Armen verteilt werden.

In Schulsachen sei erwähnt, das die Kgl. Bezirksschulinspektion den hier beschlossenen Anbau ans Schulhaus aus verschiedenen Gründen die Genehmigung versagte. Hierorts beschloss man dazu, nunmehr den Neubau einer Schule vorzunehmen und wurde der Baumeister Schubert mit den üblichen Vorarbeiten betraut.
Amtshauptmannschaftlicher Verordnung gemäß mussten auf die Kirche, sowohl wie auf die Pfarrgebäude Blitzableitungen beschafft werden, wodurch der Kirchengemeinde eine Schuld von ungefähr Mk. 1.200 erwuchs, welche in 5 Jahren getilgt werden soll. Bittere Erfahrungen machte der Kirchenvorstand dadurch, das er wegen eines möglicherweise in nicht zu ferner Zeit vorzunehmenden kleinen Veränderungsbaues an der Kirche den Kirchenbaumeister Altendorf auf Leipzig einlud, zur Besichtigung und Begutachtung des Baues nach hier zu kommen. Dafür nun – einige kleinere gelieferte Zeichnungen inbegriffen – hatte man diesem Baumeister Mk. 300. zu bezahlen.

Den Kirchennachrichten zufolge wurden im Jahre 1887:

geboren 51 Kinder, davon 29 aus Niederrossau (5 uneheliche)
17 Paare wurde getraut
28 Personen wurden beerdigt, 18 davon in Niederrossau
1334 Personen bekamen die Comunikation, 755 von Niederrossau
34 Kinder wurden konfirmiert

Die Regiestrande des Gemeindevorstandes verzeichnet:

für 1887: 937 Ein- und 848 Abgänge.
Hierunter sind u.a. 1886 - 1887:

14 - 10 Abstempelungen von Mobilienversicherungen
6 - 13 auszuhängende Aufgebote
3 - 3 Bauanmeldungen und 2 Baurevisionen
80 Wohnungsanmeldungen
81 Wohnungsabmeldungen usw.

Bestraft wurden laut Strafregister:

1 Person wegen Rückfalldiebstahl,
1 wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen mit einem Kinde,
1 wegen Betteln,
1 wegen falschen Zeugnisses,
1 wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Ruhestörung,
3 wegen Forstdiebstahl und
1 wegen Verletzung der Wehrpflicht.

Gemeinderatssitzungen wurden 1887 11 und Armenvereinssitzungen 6 abgehalten.

Zu den comunalichen Anlagen haben 294 Personen beigetragen. Von der im Jahre 1884 getroffenen Einrichtung, das man, um das Vagabundenwesen zu bekämpfen, den durchreisenden Handwerksburschen Arbeit, und zwar Steine schlagen, anbot, kann man jetzt sagen, das sie sich bewährt hat, denn die so lästige Hausbettelei hat fast ganz aufgehört.
1884/85 wurde diese Einrichtung von 232, 1885/86 von 332 und 1886/87 von 115 Handwerksburschen in Anspruch genommen.

Konsigniert wurden:

40 Hunde

1888

Wenn auch alle Tiefergriffen waren von dem Tode Kaiser Wilhelms I., und dem schweren Leiden und später ebenfalls erfolgten Tode Kaiser Friedrichs, so ist doch eine äußere Kundgebung hierzu in unserer Gemeinde unterblieben.

Unterzeichneter wurde als Gemeindevorstand auf 6 weitere Jahre gewählt und demselben eine Gehaltszulage von Mk. 75 verwilligt, so dass das Gehalt nunmehr jährlich Mk. 300 beträgt.
Zum Gemeinderate wurden die Gutsbesitzer Ernst Dietze und Robert Thiemer, der Hausbesitzer und Stellmacher Friedrich Kühn wieder und der Handarbeiter Erst Vogel neu gewählt.

Zum 80. Geburtstage wurden offiziell beglückwünscht, Frau Rosine Schlegel und Ortsrichter und Rentner Johann Gottlob Polster. Da letzterer auch Gemeindeältester ist, wurde er dadurch geehrt, das sich alle Gemeinderatsmitglieder der bestimmten Deputation anschlossen, um ihren verehrten Kollegen ihre Geburtstagswünsche darzubringen und ihm hierbei ein Fäßchen guten Wein (11 Liter) zum Geschenk zu machen. Auch von einer Deputation des Kirchenvorstandes wurde der Jubilar beglückwünscht.

Den 75. Geburtstag konnten feiern:

Rentner Karl Gottfried Wolf
Christiane Köhler
Heinrich Fürchtegott Richter
Christiane verw. Lippmann
Rentner Karl Ulbricht
pens. Waldarbeiter Christian Dietrich

Der genannte Ww. Köhler, welche schon seit 5 Jahren bettlägerig ist, bereiteten auf Anregung des Unterzeichneten einige Gemeindemitglieder die große Freude, sie mit Kränzen und Lebensmitteln zu beschenken.

Die am 1. Oktober eingetretene Versicherungspflicht der landwirtschaftlichen Arbeiter führte der Gemeindekrankenkasse eine erhebliche Anzahl von Versicherten zu, so daß die Gesamtzahl derselben im laufenden Jahre gegen 120 betragen hat.
Als Vertrauensmann für hiesigen Ort wurde Unterzeichneter vom Gemeinderate gewählt, sowie Gutsbesitzer Ernst Dietze zu dessen Stellvertreter.

Im Monat Juni wurde die Freiwillige Feuerwehr von seiten des Bezirksverbandes einer Inspektion unterworfen und die Leistungen im Allgemeinen für genügend befunden. Um ihre durch Beschaffung der Ausrüstungsgegenstände entstandenen Schulden etwas zu vermindern, wurde von den Mitgliedern derselben und noch einigen Freunden der Feuerwehr das berühmte kirchliche Lutherfestspiel von Herrig vier mal zur Aufführung gebracht, womit eine Einnahme von über Mk. 350. erzielt wurde. Die Aufführung selbst war, den Verhältnissen nach eine gute gelungene zu nennen.

Vom 1. Oktober war auch für hiesigen Ort die zwangsweise Trichinenschau in Kraft getreten und wurde der Hausbesitzer und Schankwirt Karl Fischer als Trichinenschauer angestellt. Aus diesem Anlasse gründete sich am 29. Dezember ein Verein mit 28 Mitgliedern, die sich verpflichteten, gegenseitig für etwa vorkommenden Trichinenschaden aufzukommen.

Zum 25-jährigen Jubiläum des Landtagsabgeordneten für hiesigen Bezirk, des Gemeindevorstandes Seydel in Königshain wurde im Wahlbezirk desselben eine Sammlung, bestimmt für ein Ehrengeschenk für den Jubilar zu beschaffen, veranstaltet, welches Mk. 14 aus hiesiger Gemeinde zugeflossen sind.

Großen Schaden hat in preußischen Landen eine Überschwemmung angerichtet und um Unterstützung der Beschädigten wurde gebeten. Hierorts wurden Mk. 44,20 dazu gesammelt und an das Ministerium des Inneren nach Berlin eingesendet, von wo eine vom Minister v. Puttkamer selbst unterzeichnete Quittung alsbald hier eintraf.

Die aus Weinsdorf hergezogene Jobst'sche Wirtschafterin Wilhelmine Lippmann wurde krank und damit unterstützungsbedürftig. Da deren Unterstützungswohnsitz zur Zeit der Erkrankung noch in Weinsdorf war, so machte man dort Ansprüche auf 53 Krankheitstage a. Tag Mk. 1. geltend. Unter dem Hinweise, die Lippmann sei Gewerbsgehilfin, wies man dort die Ansprüche zurück, so das man genötigt war, mit Weinsdorf einen Verwaltungsstreit anzustrengen, auf deren Ausfall man sehr gespannt ist.

Die zum Neubau der Schule eingereichte Zeichnung kam von der Bezirksschulinspektion mit der Weisung zurück, innerhalb 3 Wochen einen anderen Bauplatz zu beschaffen, indem der jetzige nach bezirksärztlichem Gutachten nicht als geeignet angenommen werden können, da das Grundwasser vom Gottesacker in den Grund der Schule dringen werden, und dadurch die Erzeugung gefährlicher Krankheiten nicht ausgeschlossen sei. Der Schulvorstand erwiderte auf diese Verfügung, er vermöchte die bezirksärztlichen Bedenken nicht zu teilen. Da durch verschiedene Tatsachen nachgewiesen sei, das es Grundwasser auf dem Gottesacker überhaupt nicht gäbe.

In Bezug auf die Ernte ist zu verzeichnen, das infolge großer Trockenheit im Spätfrühjahr die Futtergewächse bedeutend zurückgeblieben waren, auch die Halmfrüchte durchaus einen dünnen Stand hatten, wodurch ein ziemlicher Ausfall an Stroh entstand, während die Körnererträge unbedingt sehr reichlich genannt werden mussten. Gleichwohl sind die Preise höher als im Vorjahr - Korn Mk. 12,50, Hafer Mk. 7.

Der Viehbestand hingegen hat sich wegen knappen Futters um 25 Rinder vermindert.


1889

Schon am Anfang des Jahre wurde der Gemeinderat mit der Frage beschäftigt, wie soll der Tag, an welchem sich 50 Jahre erfüllen, seitdem Herr Ortsrichter und Rentner Johann Gottlob Polster das Amt eines Gemeindeältesten bekleidet, gefeiert werden?

Nach verschiedenen Beratungen fand die Feier in nachstehender Weise statt:
Am Vorabend des Jubiläumstages, am 30. April, wurde dem Jubilar in dessen Behausung vom Gesangsverein zu Weinsdorf, welcher zumeist aus hiesigen Einwohnern besteht, ein „Gesangsständchen“ dargebracht, worauf die Mitglieder des Vereins im Schubert’schen Gasthofe durch gemütliches Beisammensein noch längere Zeit zusammengehalten wurden, wobei man ihnen 1 Faß Lagerbier spendete.
Am Festtage selbst, am 1. Mai, wurde der Jubilar durch eine Deputation, bestehend aus Herrn Gutsbesitzer und Gemeinderat Ernst Dietze und den Unterzeichneten Gemeindevorstande, in seiner Wohnung zunächst begrüßt, um sodann per Wagen in den festlich geschmückten Saal des Schubertschen Gasthofes geführt zu werden, wo sich mittlerweile die Anverwandten des Jubilars wie auch die Mitglieder des Gemeinderates, Schul- und Kirchenvorstandes, einige auswärtige Geäste und verschiedene Gemeindemitglieder mit ihren Frauen eingefunden und aufgestellt hatten. Hierauf hielt Unterzeichneter (Genge) folgende Ansprache:

"Hochverehrte Anwesende! Hochverehrter Herr Polster!
Am 19. Februar des Jahres 1839 haben Sie in die Hände eines damaligen Justizbeamten zu Nossen einen Eid geschworen, Ihr Amt als Gemeindeältester treu und gewissenhaft verwalten zu wollen und am 1. Mai desselben Jahres haben sie so dann dieses Ihr Amt angetreten. Zwischen jenem Tage aber und heute liegen 50 Jahre.
50 Jahre! Wie sind zwei solch kleine Wörtlein und wie doch so inhaltsschwer bergen sie nicht ein ganzes Menschenleben in sich, ein Menschenleben mit all seine Träumen, mit all seinem Hoffen und Fürchten, mit seinem Zagen und Sorgen, seinen Freuden und Leiden.
Sie sind damals, als Sie Ihr Amt übernahmen, ein in der Blüte der Jahre stehender Mann gewesen und Sie begleiten dies Amt auch noch heute, wo Sie als ein Greis mit gebleichtem Haar vor uns stehen.
Mit 7 Gemeindevorständen haben Sie gearbeitet und 80 Gemeindeglieder sind seitdem Ihre Kollegen im Rate gewesen.
500 Gemeinderäte und 190 Armenvereins, also nahezu 700 Gesamtsitzungen wurden während Ihrer Amtszeit abgehalten.

Sie haben Ihr Amt stets als eine Ehrensache genommen, wie es jeder von uns tun sollte, so lange ihm das Vertrauen seiner Gemeinde ein Amt überträgt und deshalb setzen Sie auch Ihren Stolz darin, stets eins der treuesten, eins der pünktlichsten Glieder des Rates zu sein. Sie haben sich nicht durch Wind und Wetter, nicht durch Scheingründe und in den letzten Jahren nicht durch die sich einstellenden Gebrechlichkeiten des Alters abhalten lassen, wenn es galt, Ihrer Gemeinde zu diesen. Ja Sie haben sich doch an der letzten Vorstandswahl, krank, wie Sie waren und zu schwach, um die kurze Strecke zum Sitzungslokal gehen zu können, fahren lassen, nur um Ihrer Ehrenpflicht Genüge zu leisten.

Und ich weiß es nur zu wohl, wie sehr wehe es tut, wenn man glaubt, seine ganze Kraft einzusetzen für sein Amt, und wenn man erfahren muß, das man verkannt, das man verhöhnt und verspottet, ja das man beleidigt und tief beleidigt wird und das oftmals von denen, von welchen man’s gerade am wenigsten erwartet hätte.
Alles das ist auch Ihnen Herr Polster in Ihrer langjährigen Wirksamkeit und Ihren verschiedenen Ämtern sicherlich nicht erspart geblieben.
Nun, wenn ein oder das andere Gemeindemitglied Sie durch ein vorlautes und unbedachtes Wort verletzt haben sollte, mit heute – so bitten wir – lassen Sies vergeben und vergessen sein.
Als aber in Ihres so reich bewegten Leben helle Tage gab, ob trübe, ob freundliche oder gramerfüllte Stunden – eins haben Sie stets gewahrt: Die Liebe zum Amte und die Treue im Amte.
Und ob Ihre Altersgenossen, die zumeist längst der gründe Rasen deckt, einer nach dem anderen aus dem Rate geschieden. Sie haben sich wieder mit den Söhnen eingearbeitet und ob es ruhige, ob es erregte Zeiten gab, in der Gemeinde, wie im Vaterlande – Sie haben festgestanden, festgestanden zu allen Zeiten, festgestanden bis heute.

Und so konnte denn der heutige Tag kommen, am Tag, der uns ein Fest gebracht hat, wie es hier noch nicht gefeiert werden konnte und wie es voraussichtlich, wenigstens auf lange, lange Zeiten hinaus, nicht wieder gefeiert werden dürfte.

Es soll deshalb auch der heutige Tag ein Fest sein, nicht nur für Sie, Herr Jubilar, er soll’s für alle Gemeindeglieder sein, er soll seinen Schein auch hineinwerfen in die Stübchen der Armen und in die Kammern der Kranken.

Wir wissen wohl, vergelten können wir Ihnen solche Treue nicht – wir können Ihnen nur danken. Und so danke ich Ihnen denn, danke Ihnen aufrichtig und innig, für allen, was Sie als Privatmann, wie als Gemeindebeamter und namentlich als – Ältester um und für Ihre Gemeinde getan, insbesondere auch für das Legat, was Sie in hochherziger Weise für unsere Armen gestiftet haben, danke ich Ihnen im Namen der Gemeinde, wie der Schulgemeinde, danken ihnen im Namen des Gemeinderates, wie des Schulvorstandes, danke Ihnen aber auch für meine eigene Person, denn stets waren Sie gern bereit, wenn es galt, eine kleine Vertretung zu übernehmen, oder mir sonst im öffentlichen Interesse einen Dienst zu erzeigen.

Als ein äußeres Zeichen unseres Dankes aber bin ich beauftragt, Ihnen ein kleines Geschenk zu überreichen (hier übergab das Gemeinderatsmitglied Ernst Dietze das Geschenk)
Mögen Sie durch dieses kleine Geschenk erinnert werden, stets an die Dankbarkeit nicht nur, sondern auch an die Verehrung und Liebe für Ihre Gemeindeglieder.

Unser aller Wunsch aber ist heute, das Sie noch recht lange der Unsere bleiben, das Sie aber auch bis an Ihr Lebensende nur ruhige, friedliche und freundliche Tage sehen mögen.
In diesem Sinne begrüße ich und beglückwünsche ich Sie heute im Namen der Gemeinde, wie der Schulgemeinde und deren Vertretung."

Hierauf ergriffen Herr Gutsbesitzer Louis Lippmann aus Oberrossau das Wort, um den Jubilar namens des Landwirtschaftlichen Vereins, sodann Herr Gemeindevorsteher Richter aus Oberrossau, um als Vertreter der Nachbargemeinde ihre Glückwünsche darzubringen.

Bei der sodann um 2 Uhr beginnenden Festtafel gingen ehrende Glückwunschschreiben für den Jubilar wohl von der Kreis- als auch Amthauptmannschaft ein, welche durch Vorlesen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, worauf die genannten Behörden aus Dankbarkeit mit einem „Lebehoch“ bedacht wurde.

Ein um 7 Uhr beginnender Ball hielt die Bewohner Niederrossaus mit ihren Gästen in ausgezeichneter Laune bis spät in die Nacht zusammen und somit endigte das Fest in allgemein befriedigender Weise.

Das Geschenk bestand in einem vom Sattler Lippmann gefertigten Ruhestuhl von grünem Plüsch im Preise von Mk. 64,- sowie einem Ehrendiplom. Alle entstehenden Unkosten wurden durch freiwillige Beiträge gedeckt, so dass demnach die Gemeindekasse in keiner Weise in Anspruch genommen worden ist.

Nachdem die Hebamme Krauße ihr Amt am 1. Januar ohne weiteres niederlegte, wurde die Stelle mit der Hebamme Schneider aus Höckendorf bei Tharand wieder besetzt. Vier Hebammen hatten sich um die Stelle beworben.
Auch Herr Rentner Barthel hatte Kündigung für das Standesamt eingereicht und wurde Herr Gutsbesitzer Anton Frenzel als Standesbeamter vorgeschlagen und verpflichtet.

Einige Teile vom Dorfwege und dem Viehweg nach Seifersbach nach dem gleichfalls nach Seifersbach führenden Fußwege zu führende Komunicationsweg wurden mit behördlicher Genehmigung eingezogen und das Land an die angrenzenden Besitzer verkauft.
Unter dem Vorsitz des Bezirks-Assessors v. Hinüber als Vertreter der Kgl. Amthauptmannschaft zu Rochlitz kam der Gemeinderat mit der Altgemeinde dahin überein, das der von letzterer zu bauende Dorfweg gegen eine Entschädigung von Mk. 5000.- von der Gemeinde übernommen wurde.

Da die Altgemeinde ihre Auflösung beabsichtigte, verkaufte sie das ihr gehörige Land, wovon die Gemeinde den Steinbruch von dem Bach an bis zum Armenhaus gekauft hat.
Da der Steinbruch bei jetzigem Betrieb in nicht zu ferner Zeit erschöpft sein würde, beschloß man, das Steine nach auswärts nicht mehr abgegeben werden sollten.

Des Tages, an welches sich 8 Jahrhunderte erfüllen, seitdem das Haus Wettin in Sachsen herrschend ist, wurde an Polsters Jubiläum gedacht, so das hier außer der allgemeinen kirchlichen, am Wettinfeste eine besondere Feier nicht veranstaltet wurde. In Oberrossau hingegen feierte man den Tag durch Flaggen, Umzug, Deklamation mit Gesang und Gemeindeball.

Mit dem 1. Mai erfüllten sich auch 50 Jahre, seitdem die Landgemeindeordnung für hiesigen Ort in Kraft trat.
Am 27. März wurde die 500. Gemeinderatsitzung abgehalten, zu welcher zur Verherrlichung des Tages vom Gemeindevorstand ein Fässchen Lagerbier für das Kollegium gestiftet wurde.

1890

Auch in unserem Orte zeigten sich vor – und zu der am 20. Februar stattfindenden Reichstagswahl die Gemüter ziemlich erregt. Von 185 Wahlberechtigten des hiesigen Wahlbezirkes gaben 156 ihre Stimmen ab, wovon 106 auf den Rechtsanwalt Schneider in Mittweida, 48 auf den Sozialdemokraten Rückert in Berlin entfielen.

Im ganzen Wahlkreis erhielten:

Schmidt 12 665 Stimmen
Schneider 11 821 Stimmen
Rückert 578 Stimmen

Ersterer war also als Reichstagsabgeordneter gewählt.

Gelegentlich der Durchreise Sr. Maj. des Königs von Mittweida nach Rosswein berührte derselbe auch die Fluren von Niederrossau und ward Unterzeichneten amtshauptmannschaftlicherseits aufgegeben, dort anzuzeigen, in was wir dem Könige unsre Huldigung darbringen wollten. Diese Aufforderung kam aber zu uns mehr als 8 Tage später, wie nach Oberrossau, so daß diese mit ihren Vorbereitungen zum Empfange schon ziemlich weit vorgeschritten waren, ehe wir überhaupt Kenntnis davon erhielten, weshalb man beschloß, sich dieser dort stattfindenden Feier einfach anzuschließen. Zu diesem Behufs versammelten sich am 17. Juli nachmittags gegen 2 Uhr der Gemeinderat, der Pfarrer, die Lehrer mit ihren Schulkindern, der Militärverein, die Freiwillige Feuerwehr und die sich sonst noch anschließenden Gemeindeglieder hiesigen Ortes bei der Goldfischschenke in Oberrossau und nahmen dort, vereint mit der Vertretung Oberrossaus Aufstellung.
Gegen 3 Uhr kamen Sr. Majestät mit hohem Gefolge hier an und wurde von Herrn Gemeindevorstand Richter daselbst mit kurzen Worten begrüßt. Wie letztere, wurden auch der Unterzeichnete, sowie der Oberförster Cins in Oberrossau vom Herrn Amtshauptmann Schäffer dem König vorgestellt, welcher die Vorgestellten mit einigen fragenden Worten beehrte.

Unter mehrmaligen Hochrufen und dem Gesange der Schulkinder „Dem König segne Gott“ erfolgte die Weiterfahrt, während die Gemeindeglieder noch einige Stunden gemütlich zusammen verblieben.

Herr Gutsbesitzer und Standesbeamte Anton Julius Frenzel wurde als II. Gemeindeältester, die Herren Gutsbesitzer Ernst Heinrich Dietze und Heinrich Berndt als Vertrauensmann der land- u. forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft bzw. als dessen Stellvertreter die Herren Gutsbesitzer Friedrich Gottlob Dietze, Ehregott Friedrich Biehl, Stuhlbauer Friedrich Ernst Dietze und Maurer Karl Julius Köhler als Gemeinderatsmitglieder teils wieder, teils neu gewählt.

Dem verstorbenen Gemeideratsmitglied Schankwirt Karl August Fischer folgten seine Kollegen vom Rate zu seiner Ruhestätte und beehrten die Hinterlassenen durch Überreichung einer Gedenktafel. Als Nachfolger Fischers wurden und zwar als Trichinenschauer der Tischler Hermann Lippmann, Als Schlachtsteuereinnehmer aber der Unterzeichnete eingesetzt und verpflichtet.

Die allgemein beliebte Hebamme Anna verehel. Schneider erhöhte man die Umgehungsentschädigung auf Mk. 4,-. Nach dem im November erfolgten Tode der Schneider erwählte man die Strumpfwirkersehefrau Hulda Thierfelder in Auerbach bei Thum zur Hebamme für hiesigen Bezirk.

Vom Kaiserl. Oberpostamt Leipzig wurde die Posthilfsstelle in hiesigem Orte nach dem Tode des obengenannten Fischer eingezogen.

Wahrscheinlich hatte im Jahre 1842 das Pfarrgrundstück zu einer Wegeverlegung
9 Ruthen Land abgetreten, ohne bis jetzt Entschädigung dafür zu erhalten : von einem eingezogenen Wegeteile soll das Pfarrgrundstück 11 Ruthen, der Häusler Heinrich Hans den Rest des Landes erhalten, wenn die sich längst machende Verbreiterung des Kirchensteiges vorgenommen werden darf.

Da die Waldholzfuhren eine wesentliche Abnutzung unserer Komunikationswege verursachen, stellte man den Antrag, der Forst-Fiskus wolle uns eine Beihilfe zu unserem Wegebau gewähren.

Die am 1. Dezember von 5 Zählern vorgenommene Volkszählung ergab folgendes:
In 108 bewohnten Gebäuden wurden in 154 Haushaltungen 662 Personen ortsanwesend gefunden. 10 davon waren vorübergehend an- und 5 aber vorübergehend abwesend, so daß demnach die tatsächliche Personenzahl Niederrosaus 657 beträgt.
12 Wohnhäuser wurden als unbewohnt vorgefunden.
Von den 662 vorgefundenen Personen waren 325 männlich, 337 weiblich,
249 verheiratet, 381 ledig, 32 verwitwet, 1 Taubstumm, 1 blödsinnig und gehörten diese sämtlich der ev. Luth. Kirche an, 8 allerdings davon der separaten Dreieinigkeitsgemeinde.
Es bedeutet das für Niederrossau eine Abnahme seit 1885 von 11 Haushaltungen und 21 Personen, seit 1871 von 21 Haushaltungen und 76 Personen.

Als einen kleinen Fortschritt im Feuerlöschwesen kann man es bezeichnen, daß ein Steigerbaum zum Trocknen der Schläuche beim Spritzenhaus aufgestellt wurde.
Man ist hier vollständig damit einverstanden, wenn Oberrossau die Absicht, aus dem Spritzenverbande auszutreten, auch ausführt und hat solchenfalls eine angemessene Entschädigung an die Austretenden verwilligt.
Eine von der hiesigen freiwilligen Feuerwehr bei der Amtshauptmannschaft eingereichte Beschwerde wurde vorläufig von hieraus zurückgewiesen (siehe Briefe 1890).

Nach Beseitigung aller behördlicherseits der Einweihung des neuen Schulgebäudes entgegengestellten Hindernisse konnte endlich am 15. September die Weihe und zwar wie folgt stattfinden:
Vormittags gegen ½ 11 Uhr versammelten sich im Schubertschen Gasthofe der Bezirksschulinspektor, der Schulvorstand sowie die eingeladenen Gäste und Gemeindeglieder um, unter Vorantritt sämtlicher Schulkinder und ihrer Lehrer im Zuge nach den alten Schulhause zu ziehen und dort Aufstellung zu nehmen. Nach Absingung eines Liederverses hielt Kirchschullehrer Schuricht eine ergreifende Abschiedsrede über den Psalmspruch: Ich habe meine Augen auf, zu den Bergen, und schloß mit dem Wunsche „Gott segne unseren Ausgang und Eingang“.
Hierauf formierte sich der Zug wieder und ging über den Gottesacker der neuen Schule zu, wo er im Hofe wiederum Aufstellung nahm. Auf einem Kissen überreichte ein Mädchen den Schlüssel zum neuen Schulhaus an den Baumeister Fischer, welcher mit entsprechenden Worten den Schlüssel wiederum an den Unterzeichneten, als Vorsitzenden des Schulvorstandes begab. Dieser übernahm und schloß mit dem Schlüssel das neue Schulgebäude namens der Schulgemeinde und des Schulvorstandes. Nach Gesang eines Liedes ergriff Bezirksschulinspektor Dr. Böhme das Wort, um, unter Zugrundelegung des am Eingang der Schule angebrachten Bibelspruches: „Einer ist Euer Meister, Christus“ eine zu Herzen dringende Weihrede zu halten. Nach einem vom Ortspfarrer Hildebrand gesprochenen Gebete und dem wiederum folgenden Gesang eines Liedverses war die offizielle Feier der Schulweihe beendet.
Gäste, wie auch Gemeindeglieder, samt deren Frauen begaben sich nunmehr zum Schubertschen Gasthof, wo um 1 Uhr die Festtafel ihren Anfang nahm. Nach derselben zerstreuten sich die Teilnehmer nach und nach, bis auf einige, welche bis zur späten Nachtstunde zu Ehren des Tages beisammen blieben.
Der ebenfalls eingeladene Amthauptmann Geh. Reg. Schäffer, hatte sich entschuldigt, in dem seine Anwesenheit an den Manöverorten seines Bezirkes durch die Anwesenheit des Königs da selbst bedingt war.
Ein am nächsten Tag bei günstiger Witterung abgehaltenes Schulfest vollendet die Feier.

Die ganze Bausumme für das neue Schulhaus sowie für die Umbauten im Nebengebäude und der Aufführung einer Landmauer beträgt Mk. 21.950,-. Durch Ankauf von neuem Inventar und verschiedener Lehrmittel hat sich die Gesamtschuld auf Mk. 23.000,- am Jahresschluß erhöht.
Eine Anfrage, ob wir berechtigt sind, das alte Schulgebäude auf Abbruch zu verkaufen, führte dahin, daß wir das Schulgrundstück, welches bisher auf die Schulgmeinde eingetragen war, als Kirchschullehn im Grund- und Hypothekenbuche eintragen lassen mussten. Das weitere hierüber liegt vorläufig noch in der Schwebe. Indem sich durch die aufgenommene Schuld, welche getilgt und verzinst werden muß, die Schuldanlagen wohl mehr als verdoppeln, sind wir veranlasst worden, die Staatsregierung um eine Beihilfe zum Schulbau zu ersuchen.

Die gesetzlich gebotene Beihilfe zur Lehrer-Gehaltsaufbesserung, welche bei uns
Mk. 450,- beträgt, ist uns auf unserem Antrag gewährt und die Hälfte davon bereits ausgezahlt worden.
Hauptlehrer Schuricht erhält davon Mk, 200,-, Hilfslehrer Weißflog Mk. 100,- Zulage, auch musste als Vorbedingung das Schulgeld auf 8 bzw. 10 Pfg. pro Kind und Woche herabgesetzt werden.
Die ständige Lehrerstelle beträgt nunmehr im Fixum Mk. 900,- anstatt Mk. 840,- wie bisher.

Im Nebengebäude richtete man eine Stube als Schulzimmer ein, in welchem der Nähunterricht für weibliche Handarbeiten erteilt werden soll.
Die alten Bänke, Katheder, Lampen und sonstige Inventarstücke wurden eines Sonntages nachmittags aufs Meistgebot verkauft.

Ihren 80. Geburtstag konnte feiern und wurden von Gemeindewegen dazu beglückwünscht: Christine Dietze am 14. März und Witwe Naumann am 7. Oktober.
Erschienene Gemeindeglieder machten durch kleine Geschenke der armen Naumann ihren Geburtstag zu einem rechten Freudentage. Ihren 75. Geburtstag zu feiern, war am 6. August dem Rentner Friedrich Tippmann und am 10. Februar dessen Ehefrau vergönnt.

In Armensachen sei erwähnt, daß die frühere, hier noch unterstützungsberechtigte Hebamme Johanne Krause im Oktober in Lugau verstarb, so daß deren noch im hiesigen Armenhause sich befindlichen Nachlassgegenstände versteigert werden konnten.

Hingegen mußte die Hebamme Anna Schneider, deren Mann gegenwärtig eine Freiheitsstrafe verbüßt, während ihrer Krankheit trotzdem, dass ihr eine Pension von wöchentlich Mk. 5,- gewährt wurde, mit ca. Mk. 57,- unterstützt werden, welcher Betrag jedoch von der Schwiegermutter der Unterstützten der Armenkasse zurückerstattet wurde.

Für den Butterschen Knaben erhielt der Gutsbesitzer Gottlob Dietze im laufenden Jahre ein Erziehungsgeld von Mk. 70,-. In hochherziger Weise erklärt Herr Dietze in Zukunft hierauf verzichten zu wollen, was der Gemeinderat unter Ausdruck herzlichsten Dankes selbstverständlich annimmt.

Was die Witterung betrifft, so hatten wir im vergangenen Winter wenig, fast gar keinen Schnee, zur Frühlingsaussaat war das Wetter normal zu nennen, dann folgte mehrere Wochen Trockenheit, wobei die jungen Saaten sehr zu leiden hatten und in der Entwicklung zurückblieben, während der ganzen Erntezeit aber war die Witterung derart unbeständig, daß die Einbringung des Heus, wie auch des Getreides und des Grummets eine höchst mühsame war und manches Fuder eingefahren sein wird, dessen Inhalt die nötige Trockenheit nicht besessen haben dürfte. Dem nassen Sommer folgte ein sehr schöner Herbst.

Dreimal zogen Hagelwetter über unser Dorf, wobei das eine mal die Verheerung auf den hintersten Fluren, den an Erlebach und Höckendorf angrenzenden Besitzern eine total zu nennen war. Die übrigen Ortsteile sind hierbei allerdings weit glimpflicher weggekommen. Das Korn körnert wenig, wovon man außer dem Hagel und die schlechte Blüte den miesen Ertrag beimessen kann. Korn kostet am Jahresschluß Mk. 14,- Hafer Ml. 7,- und Gerste Mk. 12,-